PFAS: Wo Fortschritt nicht zum Rückschritt werden darf

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PFAS ist allgegenwärtig. Nicht nur in den Schlagzeilen, sondern auch in der Umwelt. Neuigkeiten über PFAS in Kosmetik, PFAS im Trinkwasser und PFAS im Blut führen zu Dauer-Alarmbereitschaft für die Menschen und die Branche. Wirklich differenzierte Betrachtungen der Problematik sind karg. Wir haben bereits letztes Jahr ausführlich über das Beschränkungsverfahren und drohende PFAS-Verbot informiert. Die Konsultationsphase, an der wir und knapp 4.500 andere Unternehmen teilgenommen haben, ist seit Ende September 2023 vorüber. Insgesamt sind mehr als 5.500 Kommentare bei der European Chemicals Agency [ECHA] eingegangen, von denen mehr als 3.500 auf Schweden, Deutschland und Japan entfallen.

Eine ordnungsgerechte Prüfung der Kommentarflut durch die wissenschaftlichen Ausschüsse wird sicherlich länger dauern als ursprünglich geplant. Die wissenschaftlichen Ausschüsse für Risikobeurteilung [RAC] und sozioökonomische Analyse [SEAC] werden die vorgeschlagene Beschränkung zusammen mit den Kommentaren in mehreren Sitzungen bewerten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Branchen, die von der Beschränkung betroffen wäre. Die Ausschusssitzungen im ersten Halbjahr beleuchten folgende Aspekte:

März 2024

  • Konsumgütergemische, Kosmetika und Skiwachs
  • Gefahren von PFAS
  • Allgemeines Konzept

Juni 2024

  • Metallbeschichtung und Herstellung von Metallprodukten
  • Zusätzliche Diskussion über die Gefahren.

September 2024

  • Textilien, Polstermöbel, Leder, Bekleidung, Teppiche
  • Materialien mit Lebensmittelkontakt und Verpackungen
  • Erdöl und Bergbau

Aktuell ist davon auszugehen, dass eine endgültige Stellungnahme der ECHA frühestens in 2025 vorliegen wird. Da die Stellungnahme eine nochmalige Einspruchsmöglichkeit bietet ist mit deiner politischen Entscheidung durch die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten und einer daraus folgenden Verordnung voraussichtlich erst 2027/28 zu rechnen.

IDT hat in 2023 den Arbeitskreis Technische Kunststoffe in der Chemischen Industrie gegründet. Dort entwickeln wir gemeinsam mit Vertretern Ihrer Branche Lösungen. Zu Verfügbarkeitsengpässen, zu alternativen Materialien, zur effizienten Materialtestung oder Freigabe Szenarien neuer Werkstoffe. Das, was Sie bewegt, bewegt auch uns. Und tragfähige Lösungen lassen sich nur durch enge Zusammenarbeit und den gemeinsamen Dialog finden.

Ganz aktuell freuen wir uns am 30. April auf den direkten Austausch mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin [BAuA] und einem kleinen Kreis ausgewählter Branchenexperten. Die BAuA ist federführend in dem Push für eine Beschränkung aller PFAS. Deshalb ist das Treffen eine einmalige Chance, unsere Perspektive sichtbar zu machen. Zu erläutern, warum der One-Size-Fits-All Ansatz folgenschwere Konsequenzen hätte. Zu zeigen, dass Fluorpolymere [z.B. PTFE, PFA, FEP] für kritische Anwendungen und in Zukunftstechnologien unerlässlich sind. Für eine Differenzierung der Stoffe nach ihren Eigenschaften, ihrem toxikologischen Profil und wesentlichen Verwendungszwecken zu plädieren.

Unsere Experten

Jörg Skoda
Jörg Skoda Leiter Anwendungstechnik
Stefan Schulz
Stefan Schulz Leiter Produktentwicklung & Anwendungstechnik