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PFAS: Zweite Konsultation - was jetzt zählt

Was bedeutet die zweite PFAS-Konsultation konkret – und worauf kommt es jetzt für die Industrie wirklich an?

In dieser Episode des IDT-Podcasts sprechen Dr. Frauke Averbeck von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin [BAuA] und Jörg Skoda, Technischer Direktor bei IDT über den aktuellen Stand des europäischen PFAS-Beschränkungsverfahrens – und welche Bedeutung die zweite öffentliche Konsultation für Industrie und Anwender hat.

Im Fokus stehen die nächsten Verfahrensschritte, die anstehende soziökonomische Bewertung sowie die Frage, wie sich Unternehmen jetzt noch wirksam einbringen können. Gleichzeitig wird deutlich: Zwischen regulatorischem Zeitdruck, technologischen Grenzen und wirtschaftlichen Auswirkungen entsteht ein komplexes Spannungsfeld.

Die zentralen Erkenntnisse:

  • Die zweite Konsultation ist entscheidend für die Bewertung der Verhältnismäßigkeit.
  • Unternehmen sind jetzt gefragt, konkrete Daten zu Kosten, Anwendungen und Substitutionsmöglichkeiten einzubringen.
  • Strengere Vorgaben und begrenzte Eingabemöglichkeiten erschweren die Beteiligung – machen sie aber umso wichtiger.
  • Die Unsicherheit in der Industrie bleibt hoch, insbesondere bei komplexen Anwendungen und fehlenden Alternativen.
  • Innovation und regulatorischer Dialog müssen parallel vorangetrieben werden, um tragfähige Lösungen zu entwickeln.

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Übrigens: Die wichtigsten Inhalte und Diskussionen gibt es auch als Video.

Hinweis: Dieses Transkript wurde automatisch durch KI generiert und übersetzt. Es können Ungenauigkeiten auftreten.

Simone Wilson

PFAS im Dialog, Zweite Konsultation, finale Stellungnahmen, nächste Schritte. Die Meilensteine im PFAS-Beschränkungsverfahren sind klar. Aber wie groß ist der Gestaltungsspielraum noch? Der Ausschuss für Risikobewertung steht vor der Verabschiedung seiner Stellungnahme und der Ausschuss für sozioökonomische Analyse bereitet den Entwurf seiner Bewertung vor. Im Anschluss findet eine 60-tägige öffentliche Konsultation statt. Bis Ende 2026 sollen die finalen Stellungnahmen bei der Europäischen Kommission liegen. Wie kann sich die Industrie jetzt sinnvoll einbringen? Darüber sprechen wir heute im IDT-Podcast, der neue Perspektiven und frische Impulse für die Industrie und Dichtungstechnik liefert. Bei mir im Studio ist Dr. Frauke Averbeck, wissenschaftliche Referentin für REACH und CLP bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, kurz BAUA. Frau Averbeck, ich freue mich sehr, Sie erneut bei uns begrüßen zu dürfen, nachdem Sie bereits im vergangenen Frühjahr den damaligen Stand des Verfahrens eingeordnet haben. Herzlich willkommen.

Dr. Frauke Averbeck

Ja, danke schön und ich freue mich auch, wieder hier sein zu dürfen.

Simone Wilson

Außerdem ist mein Kollege Jörg Skoda dabei, technischer Direktor bei IDT. Hallo Jörg.

Jörg Skoda

Hallo Simone.

Simone Wilson

Mein Name ist Simone Wilson. Ich bin CEO des Dichtungsspezialisten IDT und führe durch das heutige Gespräch. Frau Averbeck, zum Einstieg würde ich ganz gerne noch mal ein bisschen sortieren. Das PFAS-Beschränkungsverfahren wurde Anfang 2023 auf den Weg gebracht. Im März 2023 startete dann die erste öffentliche Konsultation, tausende Stellungnahmen sind eingegangen, der Vorschlag wurde intensiv diskutiert und weiterentwickelt. Jetzt steht die zweite öffentliche Konsultation an. Wo genau stehen wir heute im Verfahren und warum gibt es diese zweite Beteiligungsrunde?

Dr. Frauke Averbeck

Ja, seit der ersten öffentlichen Konsultation, sie hatten es gerade gesagt, da sind viele Kommentare eingegangen, die wurden von uns, uns heißt in dem Fall die Dossier-Submitter, die eben das ursprüngliche Beschränkungsdossier bei der ECHA eingereicht haben, gesichtet, ausgewertet. Wir haben, glaube ich, mehr als 100.000 Seiten gelesen und nach Informationen durchforstet und diese Informationen sind eben in das ursprüngliche Dossier eingeflossen. Durch diese Überarbeitung ist aus dem ursprünglichen Dossier jetzt das sogenannte Hintergrunddokument entstanden. Hintergrunddokument deshalb, weil es eben jetzt die Grundlage bildet für die wissenschaftliche Bewertung durch die beiden Ausschüsse der ECHA. Und diese Arbeit haben wir im letzten Jahr abgeschlossen. Im Juni 2025 haben wir die letzte Version, also das letzte Update, des Hintergrunddokuments, an die ECHA übermittelt und das wurde dann ja auch im August veröffentlicht. Und zusätzlich dazu haben wir von Seiten der Dossier-Submitter auch noch eine Zusammenfassung erstellt, sodass sich vielleicht nicht unbedingt jeder durch die 3.300 Seiten des Hintergrunddokuments kämpfen muss, sondern in dieser Zusammenfassung die wichtigsten Eckpunkte finden kann und dort dann auch rausbekommen kann, wo im Hintergrunddokument man vielleicht gezielt nach speziellen Informationen suchen kann.

Simone Wilson

Und jetzt gibt es ja einmal die Risikobewertung und die sozioökonomische Analyse. Die zweite Konsultation bezieht sich letztendlich aber auf Letzteres.

Dr. Frauke Averbeck

Genau, die zweite Konsultation bezieht sich auf den Entwurf der SEAC-Stellungnahme. Das heißt, hier geht es rein um sozioökonomische Aspekte, aber natürlich auch noch mal um den Stand der alternativen Entwicklung. Das spielt auch eine große Rolle dabei. Alles, was sich der RAC, der Ausschuss für Risikobewertung, anschaut, ist jetzt im Grunde außen vor. Es sei denn, man schafft es, einen Bogen von risikobezogenen Informationen zu den sozioökonomischen Auswirkungen zu schlagen. Also, wie wirken sich beispielsweise, wenn die Emissionen überschätzt wurden und man kann erklären, wie sich das auswirkt sozioökonomisch auf die Kostenbetrachtung beispielsweise des SEACs, dann sind das natürlich, kann man über den Umweg quasi auch noch mal Argumente dazu einbringen, wird aber vom RAC nicht mehr separat betrachtet.

Simone Wilson

Aber diese zweite Konsultationsphase, die war von Anfang an eigentlich im Verfahren eingebaut, also das war Bestandteil des Verfahrens.

Dr. Frauke Averbeck

Die zweite Konsultationsphase ist integraler Bestandteil des Verfahrens, die ist auch in der REACH-Verordnung so vorgesehen, auch diese 60 Tage, dass sie eben genau 60 Tage dauert, auch das ist in der Verordnung vorgegeben und dient eben genau dazu, dass es noch mal die Gelegenheit gibt, eben spezifisch zu den sozioökonomischen Aspekten und der Stellungnahme des SEACs Kommentare vorzulegen. Weil die erste Konsultation bezog sich ja auf das von den Dossier-Submittern eingereichte Dossier. Und jetzt geht es darum, dass man zu der wissenschaftlichen Bewertung dazu noch mal Stellung nehmen kann.

Simone Wilson

Genau, das wäre nämlich auch meine nächste Frage. Bei der ersten Konsultation ging es ja vielleicht noch so ein bisschen um Grundsatzfragen. Wie ist jetzt noch mal genau diese Ebene zu verstehen, auf die wir der wir uns jetzt bewegen? Also, wenn man das noch mal inhaltlich unterscheidet, was bei der ersten Konsultation möglich war und was jetzt möglich ist.

Dr. Frauke Averbeck

Genau, also jetzt geht es im Grunde ja nur noch um die Stellungnahme des SEACs. Die wird veröffentlicht, sobald der Entwurf fertiggestellt wurde. Und dann geht es eben spezifisch darum, zu Kosten, zu Alternativen, zu der Frage, was würde es bedeuten, wenn ich PFAS nicht mehr verwenden kann in meinem Geschäft, in meinen Produkten. Was hätte das für Auswirkungen? Das sind genau die Fragestellungen. Und da ist auch ganz besonders wichtig, dass sich der SEAC sehr schwer tut mit der Beurteilung der Verhältnismäßigkeit. Der RAC geht ja davon aus, dass eine Beschränkung erforderlich ist, um die Emissionen zu minimieren. Das ist auch die Grundlage oder die Grundannahme des SEACs. Eine Beschränkung ist erforderlich und er prüft dann im Grunde für jede Verwendung, bedarf es einer Ausnahme, damit die Beschränkung verhältnismäßig wird. Und um genau das zu tun, fehlen ihm momentan für viele Verwendungsbereiche die Informationen. Und das ist eben jetzt wichtig, diese Informationen in der zweiten Konsultation noch mal vorzulegen. Da geht es eben insbesondere um die Kosten, die verursacht würden, wenn PFAS nicht mehr eingesetzt werden können. Also was heißt das an Substitutionskosten, führt das zu Produktionseinstellungen, zu Verlagerung ins Ausland et cetera? Das sind die Aspekte, die hier vor allem im Vordergrund stehen.

Simone Wilson

Gut, also Verhältnismäßigkeit, das ist ja wirklich auch noch mal ein wichtiger Hinweis an der Stelle. Und wenn Sie jetzt vielleicht auch noch mal ganz kurz darauf eingehen, wie diese Konsultation organisiert ist, einfach strukturell, weil da gibt es ja auch noch mal Veränderungen zu der ersten Konsultation.

Dr. Frauke Averbeck

Genau, in der ersten Konsultation waren das hauptsächlich Fragen, die dann mit Freitext, in Freitextfeldern und mit Anlagen beantwortet werden konnten. Jetzt diese zweite Konsultation ist deutlich stärker strukturiert von der ECHA. Es gibt sehr viele Vorgaben, was überhaupt in die einzelnen Felder zu den Fragen eingegeben werden kann. Von der Grundstruktur her gliedert sich der Fragebogen in zwei Teile. Es gibt einen allgemeinen Teil, wo man im Grunde zu jedem Abschnitt der SEAC Draft Opinion Kommentare einreichen kann. Und dann gibt es einen spezifischen Teil, wo speziell zu den 14 Sektoren mit denen sich RAC und SEAC ja beschäftigt haben, Informationen liefern kann. Und da gibt es auch das sogenannte Use Mapping der ECHA, wo sie noch mal dargestellt hat, in welcher Detailtiefe sich der SEAC mit den jeweiligen Verwendungen und Unterverwendungen beschäftigt hat. Und auf dieser Ebene möchte die ECHA gerne Informationen dann haben, eben in diesen sektorspezifischen Fragebögen.

Simone Wilson

Ja, vielen Dank. Jörg, du bist von Anfang an dicht am Thema in verschiedenen Arbeitsgruppen und im Austausch mit der Branche. Fühlt sich diese zweite Konsultation jetzt anders an als die erste? Also hat sich die Diskussion vielleicht in der Zeit auch ein bisschen verändert? Kannst du dazu vielleicht mal einen Einblick geben?

Jörg Skoda

Ja, vor allem von der von der Übersicht her, wenn man sieht, was sich bewegt hat in den letzten zwei Jahren zu diesem Thema, gibt es mehrere Ansätze. Also die neue Konsultationsphase, die ansteht, führt zu großer Verunsicherung, weil Frau Doktor Averbeck hat gerade gesagt, man hat strukturell umgestellt. Ich seh das eher 'n bisschen anders, man hat stark limitiert, man hat es stark beschnitten. Wir können nur noch 2000 bis 5000 Zeichen teilweise eingeben, man darf nicht unbedingt Dokumente mit hochladen. das macht es nicht einfacher. Wir reden immerhin von 10.000 Stoffen, wir reden ja nicht über einen Stoff, wo man sagen kann, O. K., den kann ich irgendwo erklären, den kann ich ersetzen. Die ganzen Betreiber müssen natürlich jetzt feststellen, wo kann ich drauf verzichten, wo nicht. Da laufen ja auch extrem viele Tests, das kann man sich gar nicht vorstellen und diese Unsicherheit ist einfach da. Wie kann ich denn mit 2000 Zeichen, das sind ungefähr anderthalb 2 DIN A4 Seiten, großartig erklären, warum ich an der Stelle mit dem Stoff unbedingt arbeiten muss und das macht es deutlich schwieriger. Also ich glaube, die zweite Konsultationsphase, da haben viele, ich will nicht sagen, die lassen gerade den Kopf hängen, aber wenn ich eben stark beschnitten bin in meiner Dokumentationspflicht, die ich ja eigentlich wahrnehmen möchte, dann hab ich 'n Problem.

Simone Wilson

Mhm, nimmst du das auch so wahr, dass das Vertrauen in den Prozess dadurch auch ja nicht besonders ausgeprägt ist?

Jörg Skoda

Ja gut, man kann ja ganz klar sagen, dass man diesmal den Weg gegangen ist, nicht allen Einzelstoffe zu verbieten, sondern eine Stoffgruppe verbieten möchte. Und ich glaube, da hat man den Sack 'n bisschen groß, also sehr voll gemacht, weil man eben gar nicht differenziert. Das sind immer die gleichen Sprüche, die man da bringen kann. Ich kenn niemanden, der die 10.000 PFAS Stoffe kennt. Wir wissen gar nicht, wo werden die alle eingesetzt. Wir wissen, wenn man der Literatur und auch den den Medien glaubt, dass wir ungefähr 300 bis 400 haben, die dann tatsächlich auch kritisch sind. Aber alles über einen Kamm zu scheren macht es halt schwieriger und man weiß auch gar nicht, wo wird es denn tatsächlich überall eingesetzt. Es gibt Klassiker wie bei der Teflonpfanne, da brauchen wir uns nicht unterhalten, ich brauch sie auch nicht. Ich hab eine Keramikpfanne, Keramik ist übrigens auch nicht gut, davon mal ganz abgesehen, aber letzten Endes kann man sagen, es gibt Beispiele, da kann man direkt sagen, da kann man morgen drauf verzichten, aber es gibt so viel Anwendungsfälle, die wir überhaupt nicht einschätzen können und die es dann auch schwierig machen, eine klare, saubere technische Dokumentation zu bringen, warum muss ich was machen?

Simone Wilson

Also zum Stoffgruppenansatz, das fand ich auch noch ganz interessant. Da erinnere ich mich noch an unser erstes Gespräch. Also, warum dieser Ansatz gewählt wurde, hatten sie da sehr schön auch erläutert, weil sie ja also immer Einzelbausteine sich angeschaut hatten und dann letztendlich zu dem Schluss gekommen sind, also nicht sie persönlich, sondern die Behörden, dass das über diese Einzellösungen nicht machbar ist und dass man sich einfach mal auch die ganze Stoffgruppe anschauen sollte. Jetzt hatten wir in unserem letzten Podcast Frau Lücke Brunk zu Gast und die sagte so ein bisschen wehmütig, dass sie sich natürlich gewünscht hätte, dass diese Entwicklungen der letzten zweieinhalb, drei Jahre, also technischen Entwicklungen, gerade jetzt auch eingebracht werden könnten. Das wurde aber natürlich im RAC Kontext diskutiert. Sie haben das gerade noch so ein bisschen angedeutet. Also ganz konkret Raum für diese Informationen wird es dann jetzt in der zweiten Konsultationsphase nicht mehr geben oder würden Sie Unternehmen, die sich beteiligen wollen, ermutigen, trotzdem noch zu versuchen, solche Themen auch unterzubringen?

Dr. Frauke Averbeck

Ich würde auf jeden Fall versuchen, solche Themen unterzubringen. Zum einen, weil die also zum einen natürlich versuchen, den Bezug zu den sozioökonomischen Aspekten zu machen, damit auch der SEAC was mit den Informationen anfangen kann. zum anderen muss man im Hinterkopf haben, dass ja auch die Informationen hinterher an die Europäische Kommission gehen. Und selbst wenn es jetzt vom SEAC nicht betrachtet wird, weil es ein Thema des RAC ist, ist es dann, na ja, aber vielleicht trotzdem hilfreich für die Kommission, wenn die sich ein Bild macht im Rahmen der politischen Entscheidungsfindung dann hinterher. Und vielleicht noch auch noch ein Wort zu der Konsultation, ich kann das sehr gut nachvollziehen. mit dieser Zeichenbegrenzung und den strengen Vorgaben der ECHA, dass das schwierig ist. Ich verstehe natürlich auch die ECHA, die unter großem Zeitdruck steht und eben auch gesehen hat, was in der ersten Konsultation passiert ist, wie das gelaufen ist und eben da jetzt 'n Ausweg sucht, um den Kommentaren irgendwie Herr zu werden. Ich kann aber auch sagen, dass wir von Seiten der BAUA den Ansatz, den die ECHA jetzt gewählt hat, auch ein bisschen zu limitiert und stringent finden. Und ich kann nur empfehlen, trotzdem zu versuchen, so gezielt wie möglich Informationen einzubringen. Und wenn es Dokumentationen gibt, die zur Verfügung stehen, dann darauf hinzuweisen, dass die ECHA die Möglichkeit hat, die gegebenenfalls anzufragen, wenn sie weitere Informationen haben möchte.

Simone Wilson

Die Zeichenbegrenzung haben Sie jetzt angesprochen. Jetzt habe ich so, denke ich mir, in meiner Welt, Sie befassen sich mit sowas wahrscheinlich tagtäglich und sind absolute Expertin auf ganz knappem Platz, Sachverhalte deutlich darzustellen. Vielleicht haben Sie noch einen anderen Tipp für Unternehmen auch, wie die da am besten vorgehen.

Dr. Frauke Averbeck

Weil ich kann das gut verstehen, dass das sehr schwierig ist. Also, wenn ich überlege, ich soll irgendeinen Sachverhalt in 2000 Zeichen darstellen, dann setze ich auch erst mal da und denke mir so, wie soll ich das hinbekommen? Ich glaube, es ist wirklich wichtig, das wirklich auf das Notwendige einzudampfen, die wirklich relevanten Informationen. Also, was ist die Funktion der PFAS, wo genau werden sie eingesetzt und welche Bedeutung hat das für das Unternehmen, wenn die PFAS nicht mehr verwendet werden könnten, das wirklich in wenigen Sätzen, vielleicht auch mit Zahlen zu untermauern. Und dann gibt es ja auch eine Frage, wo man dann noch mal die Möglichkeit hat zu erklären, wie man auf die Antworten gekommen ist, die man in den vorherigen Fragen gegeben hat und dass man da noch mal versucht, möglichst, ja natürlich auch möglichst kurz und knapp, aber zu erläutern, wie das zustande gekommen ist. Und dann würde ich immer versuchen, noch zu sagen, wir haben aber auch noch Hintergrundinformationen, die wir zur Verfügung stellen können.

Simone Wilson

Aber wenn ich Sie jetzt hier so wahrnehme, dann spüre ich, dass es Ihnen auch ein großes Anliegen ist, dass möglichst viele sich beteiligen auch in dieser zweiten Konsultation.

Dr. Frauke Averbeck

Ja, auf jeden Fall. Ich fand das sehr wichtig, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass der SEAC sich so schwer tut, diese Frage der Verhältnismäßigkeit zu beantworten und dann eben zumindest Stand jetzt ganz häufig zu der Schlussfolgerung kommt, dass sie keine Aussage dazu machen können, ob eine Ausnahme erforderlich ist. Und das finde ich äußerst bedenklich, muss ich sagen. Insofern ist es umso wichtiger, da der ECHA und dem SEAC möglichst gute Informationen an die Hand zu geben, um ihm eben genau diese Aufgabe, die er hat, zu ermöglichen. Weil man muss auch im Hinterkopf haben, die SEAC-Stellungnahme natürlich zusammen mit der RAC-Stellungnahme nachher die Grundlage für die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten für die Entscheidung darüber, wie eine Beschränkung letztendlich aussehen kann. Und das hilft den politischen Entscheidungsträgern nicht, wenn ein wissenschaftlicher Ausschuss keine Aussage treffen kann.

Simone Wilson

Genau, was würde denn dann passieren, also wenn die wirklich keine Aussage treffen können?

Dr. Frauke Averbeck

Die Kommission müsste einen Weg finden, wie sie damit umgeht. Im Zweifel muss sie sich dann selbst ein Bild machen. Theoretisch könnte sie auch noch mal die ECHA beauftragen, noch mal detaillierter zu prüfen, eine zweite Stellungnahme nachzuliefern, was aber auch wieder nur Zeit kosten würde und im Sinne von Klarheit schaffen zu PFAS auch vielleicht nicht so hilfreich wäre in dem Moment.

Simone Wilson

O. K. Jörg, im Arbeitskreis Dichtungstechnik, einer offenen Expertengruppe, die seit vielen Jahren insbesondere in Normung und Werkstoffentwicklung tätig ist, habt ihr für die zweite öffentliche Konsultation eine Taskforce gegründet. Was war der Gedanke dahinter?

Jörg Skoda

Man muss natürlich dabei sagen, als erstes geht es mal darum, die Behördensprache zu verstehen. Das meine ich überhaupt nicht böse. Also wenn die von Druckgerät sprechen, da verstehe ich eine Anlage draußen, die meinen aber einen 3D-Drucker. Also da geht es schon los, dass man da Missverständnisse wirklich ausgleichen will. Und die zweite Geschichte ist eben, wie kann man neutral ein Dokument erstellen, wo jeder sich so ein bisschen dran lang arbeiten kann. Das geht ja in der zweiten Konsultation auch viel um Firmeninterna, die nicht veröffentlicht werden sollen. Aber eben, wie geht man mit dem allgemeinen Teil um? Wer ist wie betroffen? Was kann man dort verankern, auch wirklich schreiben? Was ist da sinnvoll? Das ist das, was wir uns zum Ziel gesetzt haben, schwerpunktmäßig, wie du schon gesagt hast, für den Arbeitskreis, dann eben Dichtungen, ne.

Simone Wilson

Und was soll das Ergebnis sein? Also, erarbeitet ihr eine Leitlinie oder wie kann ich mir das genau vorstellen?

Jörg Skoda

Es soll für die Teilnehmer dann auch so 'ne Art Leitfaden sein, natürlich nur grob. Also, wir werden da nicht Details reinschreiben können, weil die Firmendetails kennt, die muss jeder selber machen. Aber dass man eben sagt, wo sind wir technisch betroffen, wie sind wir betroffen, was haben wir, können wir gemeinsam bringen, was kann man eventuell noch ergänzen. Man kann sich dann auch Informationspunkte aufteilen. Also, wenn ich 2000 Zeichen hab, kann ich die für was nehmen, der nächste für die für was anderes. Da kann man sich dann so 'n bisschen ausgleichen. macht für mich aber definitiv Sinn. Das heißt, es wird ein Leitfaden sein, wie wir damit umgehen.

Simone Wilson

Und also befasst ihr euch auch mit dem Thema, wo können wir bestimmte Anmerkungen, Informationen eintragen, also einfach auch mit der Struktur der Konsultation.

Jörg Skoda

Ja, das ist ja das größte Problem bei diesen ganzen Dokumenten, das hatten wir schon bei der ersten Konsultationsphase, wenn man nicht weiß, was da mit der Frage gemeint ist, was da steht, was da eigentlich hingehört, dann spricht man aneinander vorbei und das wollen wir eigentlich versuchen, so gut es geht zu verhindern, werden wir auch nicht ganz hinkriegen, aber ich glaube, wir geben uns Mühe, da wirklich eine saubere Definition für die einzelnen Fragen und auch für die Unterpunkte weiterzugeben.

Simone Wilson

Da gibt es noch eine besondere Herausforderung, da kommen wir gleich noch drauf zu sprechen, weil es die Sektoren, wo wir uns wiederfinden würden, ja nicht mehr so gibt. Aber erst hätte ich noch eine andere Frage an Sie, Frau Averbeck, und zwar haben die BAUA ja in 2 Webinaren Anfang des Jahres auch informiert und sie machen jetzt auch weiterhin begleitende Informationsarbeit, die auch wichtige Orientierung gibt. Wo erleben Sie vielleicht typische Missverständnisse in Zusammenhang mit der zweiten Konsultation oder vielleicht auch, was sind so Fragen, also ganz häufige Fragen, die immer wieder kommen, das würde ja auch darauf hindeuten, also dass der Informationsbedarf an dieser Stelle sehr hoch ist.

Dr. Frauke Averbeck

Ja, also ich glaub, die Highlight-Frage tatsächlich in unseren Webinaren war die, zu der wir auch gleich noch kommen mit den Sektoren, ja Sektoren und was das eigentlich bedeutet. Ja, typische Missverständnis, ich weiß gar nicht, ob es Missverständnisse sind, aber ich glaube bei vielen besteht tatsächlich der Drang. Also viele Leute haben jetzt das Backgrounddokument, lesen das Hintergrunddokument und haben den Wunsch, da noch mal Informationen zu verbessern oder zu sagen, hier das Datum ist nicht korrekt, das das muss irgendwie anders sein, die Emissionen sind zu hoch, die Kosten sind zu hoch oder zu niedrig et cetera. Und das ist aber eben genau ja nicht der Sinn der zweiten Konsultation, sondern da geht es nicht um das Hintergrunddokument und nicht darum, Informationen aus dem Hintergrunddokument zu verbessern, sondern es geht darum, den SEAC in die Lage zu versetzen, sich zum Thema Verhältnismäßigkeit zu äußern. Das ist ein Aspekt. Ein anderer Aspekt ist die Frage, oder war die Frage zu der Konsultation, und den Angaben, die der SEAC gerne haben möchte. Er möchte natürlich möglichst genaue Informationen haben. Das gestaltet sich für viele schwierig, habe ich so mitgenommen. Und da ist es, denke ich, wichtig, zwar zu versuchen, möglichst genaue Daten zu liefern, aber wenn das eben nicht geht, dann vielleicht doch eher eine grobe Abschätzung zu liefern, bevor man gar nichts liefert. Und dann zu erklären, wie man denn zu dieser Abschätzung gekommen ist. Ich denke, das hilft am Ende mehr, als dann gar nichts zu machen, weil man es nicht genau genug sagen kann. Ja, dann kam natürlich auch immer die Frage, wie geht es dann weiter, wann ist das Verfahren beendet. Genau, ich denke, da werden wir auch nachher noch drauf kommen.

Simone Wilson

Und wenn Sie so ein bisschen, also wie gesagt, Sie sind ja jetzt auch noch unterwegs, so die Stimmungslage, wie würden Sie die beschreiben, also was nehmen Sie so wahr aus, ja aus den Teilnehmenden.

Dr. Frauke Averbeck

Jetzt zur Konsultation.

Simone Wilson

Also das Webinar, die Webinare oder wie gesagt auch Informationsveranstaltungen, die Sie zum Beispiel in Verbänden noch machen, was ist da so die, wie ist die Stimmungslage?

Dr. Frauke Averbeck

Also es ist tatsächlich relativ gemischt, würde ich sagen. Ich glaube, es sind große Bemühungen, sich sinnvoll einzubringen und zu beteiligen, aber eben auch die Schwierigkeiten, die auch Sie, Herr Skoda, gerade schon angesprochen hatten, zu verstehen, an welcher Stelle kann ich überhaupt welche Informationen einbringen. Dieses Problem mit dem Herunterbrechen noch auf weitere Unterverwendungen, die ja der SEAC teilweise sogar über das wo der SEAC teilweise sogar über das hinausgeht, was wir von Dossier-Submitter-Seite gemacht haben. Und dass es dann natürlich auch gerade für kleine und mittlere Unternehmen schwierig ist, diese Informationen überhaupt erst mal zusammenzutragen, zu wissen, wo sind PFAS enthalten und wo muss ich mich überhaupt einbringen? Und dann gerade der Detailgrad. Ja.

Simone Wilson

Aber dann schaue ich vielleicht noch mal ein bisschen anders drauf. Also, wie hoch ist die Gefahr, dass Informationen, die ich mitgeteilt habe oder die ich einbringe, nicht berücksichtigt werden, weil keine Ahnung, ist sie vielleicht an der falschen Stelle oder also ist das ja also ist das eine reelle Gefahr oder eher weniger?

Dr. Frauke Averbeck

Finde ich schwierig einzuschätzen, wie die ECHA vorgeht. Ich, ich weiß, dass sie im Nachgang zu ihrem eigenen Webinar gesagt haben, dass sie künstliche Intelligenz verwenden wollen, um sich Informationen zusammenfassen zu lassen, die dann manuell weiter ausgewertet wird. Und wenn sie da natürlich sehr strikt vorgehen und sagen, okay, wir nehmen jetzt nur die Informationen, die zu einer spezifischen Frage eingereicht wurden, dann ist es natürlich tückisch, wenn jemand die Information an anderer Stelle eingebracht hat, dann kann es natürlich sein, dass es am Ende zumindest für die Beurteilung des SEAC hinten runterfällt und nicht berücksichtigt wird. Ja, also die Gefahr sehe ich, wie groß sie wirklich ist, wie die ECHA da am Ende vorgeht, müsste man die ECHA fragen.

Simone Wilson

Also ich persönlich würde jetzt. sagen, das ist eigentlich ein sehr guter Hinweis, weil man könnte ja selber die künstliche Intelligenz nutzen, um seine Informationen so aufzubereiten, dass sie dann von einer künstlichen Intelligenz auch gut gefunden werden. Ne, wenn man das schon mal weiß, dann kann man das dafür ja auch optimieren. Das wäre jetzt mein kleiner Hack Tipp an dieser Stelle. Aber Jörg, du hast außerdem eine betreiberseitige Arbeitsgruppe initiiert, bei der du selbst nicht direkt mitwirkst. Ist deiner Meinung nach denn aus Industriesicht klar, welche Informationen jetzt gefragt sind oder herrscht hier Unsicherheit darüber, was wirklich relevant ist?

Jörg Skoda

Nur die Frage kann man immer gleich beantworten, das ist die Komplexität, die dahintersteckt, die es so wahnsinnig schwer macht. Also letzten Endes, stellen wir uns vor, wir haben eine Anlage, da sind 5 Anlagen drin, eine davon braucht Fluorpolymere, die unter PFAS fahren, die müsste dann verboten werden, weil man da momentan keinen Ersatzstoff für findet und man sucht wirklich händeringend danach. ja, und noch nicht mal das wäre das einzige Problem. Man könnte sagen: eine Anlage von fünf fällt aus. Die anderen vier brauchen aber das Produkt von der ersten. Das heißt, nicht eine Anlage fällt aus, sondern fünf fallen aus. und dann geht's eigentlich dahin was ich am wo ich am meisten Angst vor habe dass die Leute sagen ich investiere nicht mehr ich verlasse einfach Deutschland oder Europa und ich gehe in ein Land wo ich eben nehmen wir Indien China wo man dann sagt da gucken wir nicht so genau hin und das macht's dann schwierig und wenn man versucht die Dinge zu ändern, weil wir reden immer, ja, wir sind da schon dreieinhalb Jahre dran, man hat für P.F.A. von Dr. Beckler auch dreieinhalb Jahre gebraucht für einen Stoff. Wir reden jetzt von einer Stoffgruppe, also eigentlich, wenn man sagen würde, wir hätten die doppelte Zeit, wir hätten, es gibt unwahrscheinlich viele neue Informationen, die kommen da definitiv bei dem jetzigen Konsultationsverfahren nicht an, bin ich ziemlich, bin ich mir ziemlich sicher. Das heißt, ich glaube einfach, dass wir müssen da, wir bräuchten mehr Zeit oder wir bräuchten 'ne Aufteilung des Projektes PFAS, dass man sagt, es gibt PFAS, wie zum Beispiel Teflon, brauchen wir nicht, die können wir morgen verbieten, da hat keiner 'n Problem mit, aber eben Bereiche, die man noch nicht einschätzen kann, wo man auch nicht weiß, wo es Alternativen gibt, das halte ich für einfach zu früh, da helfen auch die dreizehneinhalb Jahre nicht. Also wenn ich überleg, dass wir jetzt dreieinhalb Jahre mit dem Thema rumhampeln, in Anführungsstrichen, und kommen nicht weiter, dann hilft es mir auch 13 Jahre Entwicklung nicht, weil ich kann es nicht entwickeln und ich wüsste auch momentan nicht, wer. Und es wird wahrscheinlich dann, wenn wir etwas Alternatives zu den Fluorpolymeren in unserem Beispiel suchen, wahrscheinlich wieder ein technischer Kohlenstoff. und ob der dann besser ist, das sei dahingestellt, der muss ja nicht besser sein, ne?

Simone Wilson

Aber das bedeutet, dass die Abhängigkeiten untereinander zum Beispiel auf Betreiberseite, dass das einfach den Komplexitätsgrad so wahnsinnig erhöht und es ist dann schwierig, einen eindeutig zu identifizieren, was ist denn jetzt betroffen und habe ich auch wirklich an alles gedacht, so verstehe ich das.

Jörg Skoda

Genau, das ist einfach so übergreifend, weil wir sind ja eigentlich nur betroffen, indem wir unter „Allgemeines“ – wir kommen ja noch dazu – Informationen einreichen können, aber die haben ja teilweise dann auch in ihren Produkten das System mit drin, also sprich PFAS mit drin und das macht es dann deutlich komplexer und deutlich komplizierter.

Simone Wilson

Und das ist vielleicht noch mal eine Frage an Sie, also wenn ich mir jetzt so ein Konzern vorstelle, also kann der dann nur einmal quasi als eine Entität Informationen einreichen oder gibt es Untergruppen, die dann da auch noch Informationen einreichen können? Ich mein jetzt nicht Verbände, sondern eben in so einer Unternehmensstruktur.

Dr. Frauke Averbeck

Also so wie ich die Konsultation seitens der ECHA verstanden habe, gibt es keine Begrenzung an Anzahl der Fragebögen, die man einreichen kann. Also man könnte auch den Fragebogen zehnmal ausfüllen, um möglichst viele Informationen reinzubringen.

Simone Wilson

Also das heißt, unterschiedliche Personen in dem Unternehmen an unterschiedlichen Stellen könnten alle einen Fragebogen einreichen. Genau, ja, das ist auch ein hilfreicher Hinweis. Kommen wir mal zu den Sektoren, das Damoklesschwert, was hier ja schon so ein bisschen über uns schwebt und das ist auch ein Punkt, den ich gerne offen ansprechen würde. Also im Verlauf des Verfahrens wurden zusätzliche Sektoren identifiziert und aufgenommen auf Initiative der Dossier-Submitter und jetzt werden diese Bereiche nicht weiter vertieft. Erstmal, Frau Averbeck, können Sie vielleicht einfach erläutern, warum diese Differenzierung jetzt nicht mehr fortgeführt wird?

Dr. Frauke Averbeck

Ja, ich würde gerne noch ein bisschen weiter ausholen. Nämlich erstmal, wie es dazu kam, dass diese 8, dass wir diese 8 Sektoren aufgenommen haben. Das hat sich eben aus der Konsultation ergeben und den Informationen, die in der Konsultation eingereicht sind und eingereicht worden sind. Und ich möchte auch noch mal vorwegschicken, dass es sich nicht per se bei allen 8 Sektoren um neue Sektoren handelt. Beispielsweise die technischen Textilien, die waren eigentlich im ursprünglichen Dossier in dem Sektor Textilien mit adressiert. Es kamen aber wirklich so viele Informationen und es hat sich dann gezeigt, dass die die Anwendung doch auch so unterschiedlich ist von dem normalen Textilien-Sektor, dass wir sie dann doch getrennt betrachtet haben. Auch die Dichtungen waren teilweise mit abgedeckt in dem Petroleum and Mining Sektor, aber natürlich spielen sie nicht nur dort eine Rolle, sodass wir dann gesagt haben, okay, es ist mehr ein übergeordneter Sektor, wir müssen das rausziehen und genereller betrachten. Und ja, neue Sektoren in dem Sinne sind, beispielsweise die Druckanwendungen oder die Sprengstoffe, die vorher eigentlich so gut wie gar nicht eine Rolle gespielt haben. Dass diese Sektoren jetzt von der ECHA nicht betrachtet wurden, ist aus unserer Sicht sehr unglücklich. Hängt seitens der ECHA damit zusammen, dass sie unter großem Zeitdruck steht, dass sie fertig werden muss bis Ende dieses Jahres mit ihrer Bewertung. Und eben der Meinung ist, dass eine Betrachtung auch dieser 8 Sektoren nicht möglich gewesen wäre in dem Zeitfenster, das ihr zur Verfügung stand oder steht für diese Bewertung.

Simone Wilson

Und der Druck kommt woher, genau? Der Zeitdruck.

Dr. Frauke Averbeck

Aus der Politik von der Europäischen Kommission, die natürlich auch unter Druck steht, die ja auch mehrfach zugesagt hat, Klarheit zu PFAS zu schaffen. Ich glaube, dass sie das aber auch erst kann, wenn sie dann tatsächlich die Stellungnahmen der Ausschüsse auf dem Tisch hat. Und ja, es ist, es ist so ein bisschen so ein Abwägen, ob man jetzt noch mehr Zeit investiert, sich das im Detail anzugucken. wir hätten uns das natürlich gewünscht, dass die Sektoren, die wir uns angeschaut haben, auch wissenschaftlich von der ECHA bewertet werden. Die ECHA hat sich leider anders entschieden.

Simone Wilson

Aber Jörg, du sagtest gerade Teflonpfanne, ein paar Sachen sind aber doch auch schon entschieden worden. Letztens kam, glaube ich, was zu Löschschäumen. Also es gibt es dann nicht auch immer wieder sukzessive Entscheidungen oder vermische ich da jetzt was?

Dr. Frauke Averbeck

Genau, ich glaube, da vermischen sie tatsächlich was. Parallel zu unserem Vorhaben, die sogenannte universelle PFAS-Beschränkung auf den Weg zu bringen, hat die Europäische Chemikalienagentur selber ein Beschränkungsdossier für PFAS in Feuerlöschschäumen erarbeitet. Und wir haben da eng zusammengearbeitet mit der ECHA, weil das eben zum Teil zeitlich sich überschnitten hat Und wir auch schauen wollten, dass es konsistent ist, gerade was die Definition der PFAS angeht in beiden Vorhaben und auch die Gefahren und die Risikobewertung möglichst einheitlich ist in beiden Verfahren. Und da es aber bei den PFAS in Feuerlöschschäumen, also zum einen wurde das ein Jahr früher eingereicht und zum anderen ist es halt nur diese eine Anwendung. Deswegen lief das eigentlich nach dem regulären Verfahren durch, also diese 12 Monate dann bei RAC und SEAC und anschließend die Entscheidung der Kommission. Deswegen haben wir dazu schon eine Entscheidung, aber es ist ein separates Verfahren.

Simone Wilson

Das hat jetzt nicht direkt mit dem universellen Beschränkungsverfahren zu tun. Aber wäre das eine denkbare Lösung, dass am Ende da steht, dass man sagt, O. K., das kann entschieden werden, aber andere Sachen können einfach noch nicht entschieden werden.

Dr. Frauke Averbeck

Die Kommission ist sehr frei in dem, wie sie am Ende das Ganze umsetzt. Also die Grundlage ist das Hintergrunddokument, die RAC und SEAC Stellungnahme, aber auf der Basis kann sie im Grunde relativ flexibel handeln. Sie kann sogar Sachen vorziehen, kann sagen, O. K., das regeln wir zuerst, andere Sektoren nehmen wir beispielsweise erstmal unbefristet aus und prüfen dann später noch mal. Sie kann sogar sagen, bestimmte Aspekte möchte sie gar nicht unter REACH regeln, sondern das passt aus ihrer Sicht eher in andere Regelungsbereiche. Auch die Möglichkeit hat die Kommission. Also sie ist da sehr flexibel, insofern müssen wir abwarten, wie sie damit umgeht. Und was jetzt die 8 Sektoren angeht, auch da hat die Kommission einen Handlungsspielraum. Also sie kann beispielsweise sagen, sie verzichtet auf die RAC und SEAC Stellungnahme und legt einen Vorschlag vor auf Basis der Informationen aus dem Hintergrunddokument. Und vielleicht schaut sie sich noch mal an, was jetzt in der SEAC Konsultation trotzdem eingereicht wurde zu den Themen, macht dann aber trotzdem einen Vorschlag. Die andere Option wäre, dass sie noch mal die ECHA beauftragt, speziell zu den 8 Sektoren eine Stellungnahme nachzuliefern, was dann aber auch natürlich wieder zu einer zeitlichen Verzögerung führen würde.

Simone Wilson

Ist noch einmal für mein Verständnis, aber die Kommission würde sich sag jetzt mal im Standard jetzt nicht noch mal mit den Ausschüssen absprechen, sondern die Arbeit der Ausschüsse ist dann damit eigentlich erledigt, sondern das läuft dann lediglich innerhalb der Kommission ab, es sei denn, sie beauftragt die Ausschüsse noch mal bitte 8 Sektoren oder den SEAC noch mal die 8 Sektoren zu prüfen.

Dr. Frauke Averbeck

Genau, die ECHA-Stellungnahme ist die Grundlage, auf deren Basis die Kommission handelt. Aber sie stimmt das dann nicht mit der ECHA ab, sondern es findet dann eine Diskussion statt, erst mal innerhalb der Kommission zwischen den verschiedenen Generaldirektionen und dann aber auch mit den Mitgliedstaaten im sogenannten REACH-Regelungsausschuss, wo dann eben ein Kommissionsvorschlag diskutiert wird.

Simone Wilson

Ja, mir war an dieser Stelle heute auch noch mal wichtig, also wir sind natürlich auch enttäuscht, dass diese Sektoren keine Berücksichtigung finden, aber wir sind letztlich auch immer nach vorne gewandt und es hilft ja nichts, diese problemzentrierte Sicht letztendlich zu verlängern, sondern man muss ja trotzdem machen. Und deshalb ist für uns auch die entscheidende Frage, wie können Unternehmen trotzdem konstruktiv handeln, also sowohl mit Blick eben auf die Beteiligung in der zweiten Konsultation, aber letztendlich auch mit Blick auf Innovationen, Jörg. Und da bedeutet das für uns letztendlich ja auch nicht Stillstand, sondern ist für uns persönlich jetzt bei IDT ja auch eher ein Signal, technologische Weiterentwicklung. voranzutreiben. Du arbeitest parallel mit Materialherstellern und Kunden an Lösungen, gerade auch im Bereich PTFE. Wie beeinflusst jetzt so diese Verfahrenslage eure Arbeit, eure Ausrichtung?

Jörg Skoda

Gut, sie erhöht den Druck natürlich deutlich, weil man nicht weiß, wie es ausgeht. Also man versucht natürlich die Möglichkeiten, die wir schon kennen, zu nutzen. Da gibt es ja dann der derer wir viele haben, also eine Dichtungstechnik, wir kennen Graphit, wir kennen Faser, wir kennen Metall, es gibt Kunststoffe, die mehr oder weniger tauglich sind oder nicht. ist ja auch immer so das Problem, dass man viele Lösungsansätze hört: Das könnte man einsetzen, das und wenn man es dann testet, stellt man ganz schnell fest: Das funktioniert eben nicht. Also das erhöht deutlich den Druck und neue Werkstoffe zu finden, das können wir nicht. Wir können halt nur da auf das zurückgreifen, was der Markt aktuell bringt und deswegen brauchen wir da entsprechende Unterstützung, die uns da weiterhilft.

Simone Wilson

Aber gerade im Kunststoffbereich bist du ja auch unterwegs und schaust dir durchaus auch Themen an und Entwicklungen an, die in die Richtung, ich will jetzt nicht sagen PFAS-frei, aber auf jeden Fall PFAS Reduzierung und wenn irgend möglich langfristig ja auch PFAS-frei gehen, kannst du dazu noch 'n bisschen was sagen?

Jörg Skoda

Ja, wir haben natürlich mehrere Versuche laufen schon auch mit Kunden und mit Betreibern zusammen, wo wir halt sagen, O. K., wir haben jetzt gerade eine PEEK-Variante, da ist noch 20 % PTFE drin, also aber immerhin um 80 % reduziert, kennen aber die Ergebnisse noch nicht. ja, wir sind noch nicht PFAS-frei, aber hätten eine deutliche Reduzierung drin, ist ja auch mal eine Aussage. Der nächste Step wird sein, da wir jetzt jemanden da gefunden haben, der uns auch Kunststoffe entwickeln möchte, die eben PFAS-frei sind, weiß gar nicht, ob wir die Namen nennen dürfen, aber letzten Endes brauchen wir jemanden, der eben aus der Herstellung dieser Kunststoffe kommt, der uns dann die Vormaterialien liefert, die wir dann entsprechend sauber testen können. Da ist Druck da, aber es ist auch viel Ratlosigkeit da, weil selbst die Leute ich habe von Chemie wenig Ahnung, ich hab auch in der Schule mal nicht so richtig aufgepasst, hab ich das Gefühl, da sind wirklich Leute dabei, die sagen: Das, was ihr momentan habt – die eierlegende Wollmilchsau mit den Fluorpolymeren –, das wird es so nicht mehr geben und wir werden es nicht zu 100% ersetzen können, das funktioniert einfach, das ist das, was Experten mir sagen, das nehm ich mal zur Kenntnis, aber wir versuchen natürlich alles, neue Stoffe zu finden und viele Anwendungen dann tatsächlich PFAS-frei zu bekommen.

Simone Wilson

Also ich hab letztens so schön gesagt, ich glaub das war auch auf einen Kommentar zu dem Podcast mit Frau Lücke-Brunk, dass sich vom Schleudersitz aus schlecht Innovationen betreiben lassen, aber auf der anderen Seite ist es für uns trotzdem so, dass wir das parallel machen. Also es ist ja nicht so, dass wir uns dem verschließen. Also es ist für uns auch ganz klar, dass wir das parallel angehen.

Jörg Skoda

Wenn ich hier ergänzen darf, das sind ja nicht nur wir, die da immer versuchen, neue Innovationen, neue Wege zu gehen, auch die Industrie, der ja immer vorgehalten wird, die wollen sich nicht bewegen und die bauen eine Lobby auf. Nein, die wollen da auch von weg, die Materialien sind zum Teil nicht billig und die haben ihre Vor und ihre Nachteile und da gibt es ein schönes Beispiel, dass eine Firma versucht seit Jahren gewisse Transportbänder, die aus Fluorpolymeren sind, zu tauschen und sie kriegen es nicht hin und die würden es gerne tauschen, weil es so unwahrscheinlich teuer ist, aber alles was sie jetzt probiert haben, da haben die Bänder ungefähr so 2 Tage gehalten, da war dann nichts mehr von da und das ist einfach 'n Problem, das kriegt man nicht in den Griff, ne. Ich würd gerne noch mal auf die 8 Sektoren eingehen, meine Idee wäre ja tatsächlich, also ich glaube erstmal, dass man die Sektoren bewusst rausgenommen hat, weil dann würden wir noch mal dreieinhalb Jahre brauchen, um das Ganze zu diskutieren, weil ich glaube nach wie vor, die 8 Sektoren sind von den Behörden, hier mal die BAUA zu nennen, super ausgearbeitet worden. Man hat festgestellt, wir haben da einfach Dinge nicht auf dem Schirm gehabt. Das ist, wir sind Menschen, das ist vollkommen in Ordnung und ich find, es gehört auch 'ne Größe dazu zu sagen, diese 8 Sektoren brauchen wir, die haben wir vergessen in irgendeiner Form. Die ist gar nicht zu betrachten, ja, kann man machen. Wir haben jetzt nämlich das Problem, Zeitdruck haben auch die Betreiber, die wollen neue Anlagen bauen, können aber nicht, weil sie gar nicht wissen, wie es weitergeht. Die andere Seite der Medaille ist, warum nimmt man nicht erstmal diese 8 Sektoren, die tatsächlich wichtig sind, raus und betrachtet die in einem separaten Verfahren. Das hat wieder dann 'n Zeitproblem, da haben die Betreiber wieder die nächste Stufe, die sie nehmen müssen, aber ich glaube, wenn man einfach versucht, mit allgemeinen Aussagen jetzt das ganze Problem zu lösen, das kann nur meiner Meinung nach schiefgehen, das kann nicht funktionieren. Das ist meine persönliche Meinung, ich hab mir versucht 'n Bild zu machen und dann das Bild zeigt, und am Ende sehen wir doch das Gleiche, wir wollen alle, dass PFAS reguliert wird, stark reguliert wird, aber wir stellen halt auch fest, in der Praxis funktioniert es eben nicht.

Simone Wilson

Ne, ich würd da noch mal vielleicht so ein bisschen die BAUA Perspektive einnehmen. Also eigentlich war die Identifizierung der Sektoren ja ureigenste Aufgabe. Also das hatten sie, glaub ich, auch im ersten Podcast gesagt. Also es geht ja darum, dass man im Prinzip ein Verfahren anstrebt, lostritt und dann braucht es ja aber auch das Feedback von den Experten, um noch mal zu schauen, haben wir alles berücksichtigt, wie sind wir denn da unterwegs, also ich wollte nur noch mal sagen: nicht vergessen worden, sondern das ist ja Teil dieses Prozesses, richtig, Frau Averbeck.

Dr. Frauke Averbeck

Genau, es ist Teil des Prozesses, aber es ist schon noch richtig, sie wurden im ursprünglichen Dossier nicht berücksichtigt, zumindest nicht in dem Maße, wie sie vielleicht hätten berücksichtigt werden sollen. Das haben wir versucht zu reparieren mit dem Hintergrunddokument und mit der Aufnahme der zusätzlichen Sektoren. Und umso bedauerlicher ist es natürlich jetzt, dass sich die Ausschüsse nicht im Detail damit beschäftigen werden und für mich ist das auch eine rechtliche Frage, weil aus meiner Sicht, meine persönliche Auffassung, es ist eigentlich die Aufgabe von RAC und SEAC, sich mit allen Informationen im Hintergrunddokument zu beschäftigen. Und das tun sie hier aus meiner Sicht nicht. Und ich weiß nicht, inwieweit die ECHA das wirklich sauber rechtlich geprüft hat und was das für Auswirkungen hätte, möglicherweise auf ein späteres Klageverfahren, wenn es dazu kommen sollte.

Simone Wilson

Also ich habe jetzt so ein bisschen das Gefühl, die Unsicherheit kriegen wir hier heute nicht weg moderiert an der Stelle, so sehr wir uns das auch wünschen würden. und so sehr letztendlich also die Ausschüsse zeitlich unter Druck stehen, aber am Ende scheint ja irgendwie so niemandem geholfen zu sein, das ist ein bisschen schade. Ich würd trotzdem jetzt noch mal zum Abschluss so ein bisschen auf das weitere Verfahren schauen, also das einfach allen vielleicht auch noch mal klar ist, auch den Zuhörern, was passiert denn jetzt. Also bis jetzt war ja auch die BAUA und oder die Dossier-Submitter stark gefordert. Jetzt verlagert sich das so ein bisschen Gremienarbeit bei der ECHA und danach eben die politische Entscheidungsphase, wie wir gerade schon gehört haben. Also, wie sieht der Zeitplan jetzt noch mal konkret aus und wann glauben Sie, ist realistisch mit einer Entscheidung auf europäischer Ebene zu rechnen?

Dr. Frauke Averbeck

Also, wie gesagt, die SEAC-Konsultation denke ich, wird so Ende des Monats, Ende März, Anfang April beginnen. läuft dann 60 Tage, das heißt, dann sind wir irgendwann Ende Mai. Danach wird der SEAC die Kommentare auswerten, in seiner Stellungnahme einarbeiten und die ECHA plant eben bis Ende des Jahres dann damit fertig zu sein und dann die gesamte Dokumentation an die Kommission zu übermitteln. Gesamte Dokumentation heißt dann eben Hintergrunddokument, die Stellungnahmen der Ausschüsse, aber beispielsweise auch das Feedback zu den eingegangenen Kommentaren. Dann liegt das Ganze bei der Kommission. Normalerweise, wenn man in die REACH-Verordnung schaut, soll die Kommission innerhalb von 3 Monaten einen Vorschlag vorlegen für für die Regelung. Das tut sie allerdings auch bei anderen Beschränkungen in den seltensten Fällen. Also meistens ist haben wir hier eher so sechs bis zwölf Monate Verzug, das dann tatsächlich überhaupt erstmal ein Kommissionsvorschlag vorliegt, muss man natürlich schauen, bei PFAS steht auch die Kommission, denke ich, enorm unter Druck. Das wäre die Hoffnung, dass sie möglichst zügig dann ein Vorschlag vorlegt und dann sind wir irgendwann in 2027 und dann finden, wie gesagt, Diskussionen statt in dem sogenannten REACH Regelungsausschuss, wo sie eben mit Mitgliedstaaten sich austauscht und normalerweise diskutiert und ändert die Kommission auch ihren Vorschlag so lange, bis sie sicher sein kann, in dem Regelungsausschuss auch die Zustimmung der Mitgliedstaaten zu bekommen. Und das kann dann durchaus so vier, fünf oder sechs Sitzungen dauern. Der Regelungsausschuss tagt etwa alle 2 Monate, sodass wir vielleicht im Verlauf 2028 dann keine Entscheidung haben, aber ich denke, es hängt auch sehr stark davon ab, wie der Kommissionsvorschlag aussieht und wie detailliert er ist. Je mehr Details, desto größer und detaillierter werden vermutlich auch die Diskussionen ausfallen.

Simone Wilson

Aber also wie wahrscheinlich ist es, dass sich das Verfahren zwischen März diesen Jahres und Dezember diesen Jahres noch mal verzögert? Also weil wenn ich jetzt die haben jetzt also jetzt wurden zwar die Zeichen begrenzt, aber wenn jetzt alle 200 Mitarbeitenden bei IDT, sag ich mal, einen Fragebogen einreichen, dann hab ich ja eigentlich nichts gewonnen, was jetzt die Flut der Kommentare betrifft.

Dr. Frauke Averbeck

Also ja, vielleicht kann die ECHA tatsächlich mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und der Möglichkeit sich dann Antworten auch zusammenfassen zu lassen, besser damit umgehen. als wir das konnten, als Dossier Submitter, die wir tatsächlich jede Seite selber lesen mussten. Die ECHA ist sehr zuversichtlich, dass sie es bis zum Jahresende hinbekommt. Mehr kann ich momentan dazu auch nicht sagen, weil ich weiß auch nicht, wie viel Kommentare kommen. Ich geh auch davon aus, dass es sehr viele sein werden, vielleicht sogar mehr als in der ersten Konsultation.

Simone Wilson

Aber das, also das ist jetzt keine harte Deadline, wenn die jetzt wirklich sehen sollten, wir kommen nicht hin, dann könnte das auch länger dauern.

Dr. Frauke Averbeck

Es könnte länger dauern, es ist eine selbst gesetzte Deadline und natürlich möchte auch die Kommission zu dem Zeitpunkt etwas vorlegen und da die ECHA sehr offensiv schon mit dieser Deadline nach draußen geht, denke ich, sie werden auch alles dafür tun, die am Ende auch einzuhalten.

Simone Wilson

O. K., dann bleibt das mal abzuwarten. Was mich noch interessieren würde, wie wir gerade schon gesagt haben, die BAUA und die Dossier-Submitter, die waren stark gefordert, jetzt bis jetzt quasi. Und wann, also wie ist jetzt ihre Rolle im weiteren Verfahren und auch in der Zukunft zu diesem Thema?

Dr. Frauke Averbeck

Jetzt momentan unterstützen wir noch die ECHA, wenn es Fragen gibt zum Hintergrunddokument. Beispielsweise waren wir jetzt in dieses Use Mapping, was sie ja gemacht hat als Unterstützung für die SEAC Konsultation, sehr stark eingebunden, dass sie da noch mal mit uns Rücksprache gehalten hat. Seht ihr das genauso, dass die Verwendung hier in diesem Sektor passt und so weiter? Was wir natürlich auch Was schon momentan ist zum einen das Verfahren auf Seiten der ECHA mitverfolgen und für Fragen zur Verfügung stehen, zum anderen aber auch im Sinne unserer Helpdesk-Arbeit an Veranstaltungen teilzunehmen, selber Veranstaltungen zu organisieren, um eben möglichst ja viel Hilfestellung auch noch mal zu geben für die anstehende Konsultation, Firmen da ja, etwas an die Hand zu geben, wie sie sich vorbereiten können. Selber in dieser Konsultation oder an der Auswertung der Kommentare werden wir keine aktive Rolle haben. Das ist rein Aufgabe der ECHA und des SEACs. Und wir kommen dann im Grunde wieder ins Spiel, wenn es einen Kommissionsvorschlag gibt, wo wir dann im Sinne der Beratung oder eine beratende Aufgabe gegenüber unserem Ministerium haben. Das sieht dann so aus, dass wir uns auch diesen Kommissionsvorschlag anschauen und eben mit den anderen Behörden national, die daran beteiligt sind, also mit dem Umweltbundesamt und dem Bundesinstitut für Risikobewertung, Risikobewertung, uns quasi auch eine Meinung bilden zu dem Kommissionsvorschlag und das ans Umweltministerium weitergeben. Und die Aufgabe des Umweltministeriums ist es dann mit den anderen Ressorts eine gemeinsame deutsche Position abzustimmen. Da fließt unsere Behördenposition natürlich ein, ist aber nicht das allein Ausschlaggebende natürlich.

Simone Wilson

Und das ist dann 2027 2028 wenn alles so läuft, wie sie das gerade skizziert haben.

Dr. Frauke Averbeck

Genau, wie gesagt, das startet dann wenn ein Kommissionsvorschlag tatsächlich auf dem Tisch liegt.

Simone Wilson

Ja, Jörg, ich frag dich jetzt noch mal, weil wir vorhin so ein bisschen über Innovation gesprochen haben, du aber ja auch sehr pessimistisch bist, dass man mit dieser Timeline so zurechtkommt. Wenn du jetzt mal schaust, wir sind Anfang 26, also erstes Quartal und jetzt sind wir in 28 was glaubst du denn so von der Entwicklung auch im Bereich Kunststofftechnologie, was sich da machen lässt in den zwei Jahren?

Jörg Skoda

Die allgemeine Entwicklung ist ja, dass wir zumindest in den 2 letzten zwei Jahren ja schon durchaus Lösungen gefunden haben mit den Stoffen, die wir kennen. Was die Neuentwicklung angeht, da sind dann eben Firmen gefragt, die den Rohstoff herstellen. Die haben 'ne große Herausforderung. Man hätte gerne wieder was, irgendwas, was man eins zu eins ersetzen kann. Deshalb wissen wir genau, das wird so nicht funktionieren. Das bringt auch in der Praxis viele Probleme mit sich. Ich glaube, also wenn wir mal jetzt die dreizehneinhalb Jahre nehmen, als die wir dann angeblich kriegen würden mit der Entscheidung. Gut, da bin ich in Rente, das ist die eine Seite, aber die zweite Seite ist eben, die wird eng, die wird ganz eng, weil ich kann momentan kein Licht am Ende des Tunnels für einige Anwendungen sehen. Es gibt Anwendungen, wo wir gesagt haben, da geht es, da sind wir froh drüber, aber es gibt ja viele Anwendungen, wo es nicht geht und da weiß ich momentan nicht, wie man damit umgehen soll und diese dreizehneinhalb Jahre sind für mich da schwierig.

Simone Wilson

Wär es für Sie denn wichtig, Frau Averbeck? Also die BAUA, dass Sie immer noch so ein bisschen, also in Kontakt bleiben mit denen Personen, mit denen sie Austausch hatten, um zu sehen, wie entwickelt sich denn da was.

Dr. Frauke Averbeck

Ja, auf jeden Fall. Also das, da ist das Interesse groß auf unserer Seite, weil wir natürlich auch am Ende sehen wollen, wenn es dann tatsächlich eine Beschränkung gibt. Was bringt die denn und ja, erreichen wir die Ziele, die wir uns damit gesetzt haben. Und um vielleicht auch auf die Frage von Herrn Skoda auch noch einzugehen mit den dreizehneinhalb Jahren und wie man damit umgehen soll. Wir haben ja auch diese Problematik angesprochen im Hintergrunddokument, dass gerade für die Ausnahmen mit den dreizehneinhalb Jahren wir auch eine sehr große Unsicherheit sehen bei der Frage, ist die Zeit wirklich ausreichend, um dann Alternativen zu entwickeln in diesem Zeitraum. Und deswegen haben wir uns auch sehr stark dafür ausgesprochen, für diese, insbesondere für diese Verwendungsbereiche eine Überprüfungsklausel einzuführen in die Beschränkung, dass eben nach einem bestimmten Zeitraum, nach einem bestimmten Zeitraum, etwa acht oder neun Jahren, schon mal geguckt wird, wie ist denn die Entwicklung und was tut sich denn? Und ist es absehbar, dass diese dreizehneinhalb Jahre ausreichen werden, oder kann man schon absehen, dass mehr Zeit benötigt wird? Und dann könnte man eben auch proaktiv die Frist noch mal verlängern.

Simone Wilson

Also eher eine dynamische Regulierung an der Stelle. Damit kommen wir zum Ende des Gesprächs. Frau Averbeck, nochmals vielen Dank für die transparente Einordnung, ihre Offenheit und den differenzierten Blick auf die nächsten Schritte im Verfahren. Jörg, dir auch danke für deine Einschätzung aus der Praxis. Zu Beginn habe ich gefragt, wie groß der Gestaltungsspielraum noch ist. Vielleicht zeigt dieses Gespräch, es geht weniger um Spielraum im klassischen Sinne, sondern um konkrete Gestaltungsmöglichkeiten und diese liegen sowohl in der Beteiligung, in belastbaren Daten und in der technologischen Weiterentwicklung. Wenn ich mir jetzt zum Abschluss noch etwas wünschen dürfte, dann wäre es, dass die zweite Konsultation breit und konstruktiv genutzt wird von Unternehmen, die ihre Praxis und ihre Daten letztendlich einbringen. Die PFAS-Thematik wird uns weiterhin begleiten, regulatorisch wie technologisch, gleichzeitig ist sie nur ein Teil eines größeren industriellen Transformationsprozesses. Auch wir werden das Thema hier bei IDT nun bewusst etwas in den Hintergrund rücken und uns wieder verstärkt anderen spannenden Themen und Zukunftsfeldern unserer Branche widmen, auch hier in diesem Podcast. Denn wir sind überzeugt, Innovation endet nicht bei regulatorischen Fragestellungen, sondern beginnt oft genau dort. Vielen Dank fürs Zuhören. Bleiben Sie mit uns in Verbindung bis zum nächsten Mal beim IDT-Podcast für neue Perspektiven und frische Impulse in der Industrie und Dichtungstechnik.