PTFE nach drei Jahren PFAS-Debatte: Mehr Klarheit – aber noch keine einfachen Antworten

Lösungen von Jörg Skoda · · IDT Industrie- und Dichtungstechnik GmbH

Die zweite öffentliche Konsultation im europäischen PFAS-Beschränkungsverfahren ist beendet. Gleichzeitig sorgt der Verkauf von Dyneon und die angekündigte Fortführung des Standorts Burgkirchen für Erleichterung bei vielen Anwendern.

Hand hält eine ringförmige PTFE-Flachdichtung mit metallischer Kernlage in die Kamera

Drei Jahre nach Beginn der PFAS-Debatte könnte man erwarten, dass die wesentlichen Fragen inzwischen beantwortet sind. Tatsächlich zeigt sich ein differenzierteres Bild: Wir wissen heute deutlich mehr über kritische Anwendungen, über mögliche Alternativen und über die Bedeutung von Fluorpolymeren für die Prozessindustrie. Gleichzeitig sind viele Fragestellungen, die Betreiber bereits 2023 beschäftigt haben, heute weiterhin aktuell und noch nicht geklärt.

Was sich in den vergangenen drei Jahren verändert hat

Die PFAS-Diskussion hat dazu geführt, dass Dichtungswerkstoffe intensiver untersucht werden als jemals zuvor. Alternative Materialien wurden bewertet, neue mPTFE-Typen qualifiziert und zahlreiche technische Stellungnahmen in das Beschränkungsverfahren eingebracht.

Auch die Rolle von Dichtungen wird heute differenzierter betrachtet als noch zu Beginn der Diskussion. Anwendungen, die lange als selbstverständlich galten, werden zunehmend hinsichtlich ihrer technischen Anforderungen hinterfragt.

Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass viele Fragestellungen komplexer sind als ursprünglich angenommen. Die Bewertung von Dichtungswerkstoffen endet nicht bei der chemischen Beständigkeit. Temperatur, Druck, Leckageanforderungen, Langzeitverhalten, Normen und Freigaben spielen eine ebenso wichtige Rolle. Jörg Skoda, Technischer Direktor bei IDT, fasst die Situation so zusammen:

Drei Jahre nach Beginn des PFAS-Verfahrens zeigen technische Daten und Praxiserfahrungen ein differenzierteres Bild. In vielen Anwendungen müssen Alternativen genauer bewertet werden – und in einigen Fällen lassen sich Fluorpolymere derzeit nicht ersetzen.

Dyneon bleibt vorerst am Markt – warum das eine wichtige Nachricht ist

Der Verkauf von Dyneon wurde von vielen Unternehmen positiv aufgenommen. Das ist nachvollziehbar.

Zahlreiche Spezifikationen basieren weiterhin auf bekannten Dyneon Werkstoffen wie TFM 1600. Viele Betreiber haben langjährige Erfahrungen mit diesen Materialien, bestehende Freigaben bleiben erhalten und laufende Projekte müssen nicht kurzfristig neu bewertet werden.

Auch bei IDT beobachten wir aktuell eine steigende Nachfrage nach Dyneon-Materialien. Die gängigen Typen sind bei uns weiterhin verfügbar, was vielen Kunden aktuell Planungssicherheit gibt. Welche Produkte Dyneon langfristig wieder in die Produktion aufnimmt, lässt sich derzeit jedoch noch nicht verlässlich einschätzen.

Warum die eigentlichen Herausforderungen dadurch nicht verschwinden

Der Weiterbetrieb von Dyneon beantwortet jedoch nicht alle Fragen, die sich aus der PFAS-Diskussion ergeben haben.

Der regulatorische Prozess läuft weiter. Die endgültige Ausgestaltung möglicher Beschränkungen ist weiterhin offen. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie sich der europäische Fluorpolymermarkt langfristig entwickeln wird und welche Auswirkungen die Veränderungen der vergangenen Jahre auf Lieferketten, Spezifikationen und Werkstoffstrategien haben werden.

Vor allem aber bleibt eine technische Fragestellung bestehen:

Welche Werkstoffe sind für welche Anwendungen langfristig geeignet und wie lässt sich ihre Eignung belastbar nachweisen?

Die technische Realität: Es gibt selten eine universelle Alternative

In der öffentlichen Diskussion wird häufig nach „dem Ersatz für PTFE" gefragt. Die Praxis in der Prozessindustrie sieht anders aus.

Je nach Anwendung müssen Dichtungswerkstoffe unterschiedlichste Anforderungen erfüllen:

  • Beständigkeit gegenüber aggressiven Medien
  • Temperaturbereiche von häufig über 100 °C
  • hohe Flächenpressungen
  • geringe Leckageraten
  • regulatorische Anforderungen wie TA-Luft
  • zuverlässiges Langzeitverhalten

Deshalb gibt es in der Regel keine universelle 1:1-Substitution.

Vielmehr müssen Werkstoffe anwendungsspezifisch bewertet werden.

Graphit kann in bestimmten Anwendungen eine hervorragende Lösung sein. PEEK bietet interessante mechanische Eigenschaften. Technische Kunststoffe wie PE, PP oder POM können in ausgewählten Einsatzbereichen sinnvoll sein. Gleichzeitig besitzt jeder dieser Werkstoffe Grenzen, die bei der Bewertung berücksichtigt werden müssen.

Auch deshalb konzentrieren sich viele aktuelle Entwicklungen auf alternative mPTFE-Werkstoffe, die bestehende Eigenschaftsprofile möglichst weitgehend abbilden sollen.

Was Betreiber heute tun können

Drei Jahre PFAS-Diskussion haben gezeigt, dass pauschale Antworten selten weiterhelfen.

Sinnvoller ist ein strukturierter Blick auf die eigenen Anwendungen:

  • Welche PTFE-Anwendungen sind sicherheits- oder emissionsrelevant?
  • Welche Werkstoffe sind in Spezifikationen festgelegt?
  • Wo existieren bereits qualifizierte Alternativen?
  • Welche Anwendungen sollten dokumentiert und priorisiert werden?

Viele Unternehmen haben diesen Prozess bereits begonnen. Für andere bietet die aktuelle Situation die Gelegenheit, bestehende Werkstoffstrategien systematisch zu überprüfen. IDT unterstützt dabei mit technischer Beratung, Prüfwerten und einem breiten Werkstoffportfolio – anwendungsbezogen und ohne Pauschalempfehlungen.

Die Diskussion wird häufig auf einzelne Werkstoffe reduziert. In der Praxis geht es jedoch um Anwendungen, Freigaben und Betriebssicherheit. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die jeweiligen Randbedingungen.

FAQ: PTFE, PFAS und alternative Dichtungswerkstoffe #

Aktuell liegt kein endgültiger Gesetzesvorschlag vor. Das PFAS-Beschränkungsverfahren befindet sich weiterhin im regulatorischen Prozess.

Für viele Anwendungen existiert keine universelle 1:1-Alternative. Die Eignung möglicher Werkstoffe hängt von den jeweiligen Betriebsbedingungen ab.

Neben alternativen mPTFE-Werkstoffen werden unter anderem Graphit, PEEK sowie verschiedene technische Thermoplaste bewertet.

Kurzfristig verbessert sich die Planungssicherheit für bestehende Anwendungen. Langfristige Auswirkungen auf Marktstrukturen und Produktportfolios bleiben abzuwarten, da aktuell noch nicht bekannt ist, in welchem Umfang die Dyneon-Produktion weitergeführt wird.

Ja. IDT hält die gängigen Dyneon-Materialien – darunter TFM 1600 und TFM 4105 – weiterhin auf Lager. Zusätzlich sind modifizierte PTFE-Werkstoffe von Daikin und GFL verfügbar.

Empfehlenswert ist eine strukturierte Bewertung bestehender Anwendungen, Spezifikationen und möglicher Alternativen. Die technische Dokumentation kritischer Anwendungen kann dabei helfen, zukünftige Entscheidungen fundiert vorzubereiten.

Fragen zu Werkstoffverfügbarkeit oder Substitution?

Nicht jede Anwendung lässt sich pauschal bewerten. Wir unterstützen Sie bei der technischen Einordnung Ihrer Anforderungen und möglicher Werkstoffoptionen.

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