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8. November 2017

Neue Reinraumanlage

Neue Prüftechnik und Reinraumanlage stärkt technische Kompetenz

In den letzten Jahren haben wir, mit gezielten Investitionen von einer halben Million Euro, unsere richtungsweisende Kompetenz in den Bereichen Prüftechnik und Qualitätsmanagement weiter ausgebaut. Der Zugriff auf unsere umfangreichen, hauseigenen Prüfanlagen ermöglicht es Kunden, abgesicherte Entscheidungen zu treffen, um die Anlagenverfügbarkeit zu gewährleisten sowie Sicherheit, Qualität und Produktivität zu steigern. Durch ein breites Spektrum an Prüfeinrichtungen können wir selbst komplexe Fragestellungen effizient und fachgerecht bearbeiten und Synergieeffekte erzielen.
Gehörten Dichtungs-, Armaturen- und Packungsprüfungen (z.B. TA Luft, DIN EN ISO 15848, DIN EN 13555) schon lange zu unserem Standardangebot, können nun auch Analysen der Konzentration von chemischen Elementen in Metallen mittels Laborspektrometer und die Bestimmung deren Härte durchgeführt werden. Neu ist ebenfalls die Einrichtung für thermoanalytische Messmethoden. Die thermogravimetrische Analyse [TGA] ist eine etablierte Prüfmethode, um Informationen über die thermische Stabilität und Zusammensetzung von verschiedenen Rohstoffen zu erhalten. Weitere Einsatzmöglichkeiten sind die Bestimmung der Oxidationsbeständigkeit von Graphit- und Glimmermaterialien sowie die Ermittlung des Füllstoffgehalts in Kunststoffen. Das Verfahren wird zunehmend in der Qualitätskontrolle und -sicherung sowie in der Schadensanalyse von Bauteilen eingesetzt.
Eine zusätzliche Erweiterung ist unsere, vor kurzem in Betrieb genommene, Reinraumanlage. Sie ermöglicht die Umsetzung gezielter Maßnahmen zur Eliminierung oder Verminderung des schädigenden Einflusses von Verunreinigungen, die gerade in Sauerstoffanwendungen besonderes Gefahrenpotential bergen. Ausgelegt nach DIN EN ISO 14644-1, Reinheitsklasse 7, ist die Anlage ausgestattet mit einer Personenschleuse inklusive Umkleidebereich, einer Warenschleuse, einem Prüfraum mit Laborabzug und UV-/Weißlicht-Einrichtung sowie einem gesonderten Raum für Einzelverpackungsverfahren, Zuschnitt und Lagerung.
Ursprünglich vielfach in der Medizintechnik zu finden, erfordern auch die wachsenden Ansprüche an Produktqualität und Prozesssicherheit bei technisch reinem Sauerstoff eine strenge Kontrolle der Umgebungsbedingungen. Reinraumtechnik ist jedoch nicht nur die Isolation gegen äußere Kontaminationsquellen und –stoffe zum Schutz von Produkt, Person und/oder Umwelt, sondern die Kette aller Maßnahmen technischer oder betrieblicher Art, die den schädigenden Einfluss von Kontaminationen minimiert. Dazu gehört produktseitig nicht nur die Reinraumanlage in der Produktionsstätte, sondern auch die, von der Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung [BAM] durchgeführte und chargenbezogene, Eignungsprüfung für das Material. Da unterschiedliche Normen und Leitlinien für Reinraumanlagen vorliegen—DIN EN ISO 14644-1, EU GMP-Leitfaden, VDI-Richtlinie 2083—ist es elementar, vorab festzulegen, welches Maß an Qualität der Reinheitsumgebung an welcher Stelle, für welches Produkt und welchen Prozess erbracht werden muss.

Die DIN EN ISO 14644-1 definiert den Reinheitsgrad der Luft durch die Festlegung von Grenzwerten für die maximal zulässige Partikelkonzentration pro m³. Die Norm beinhaltet Reinraumklassen ISO 1 – 9, wobei Klasse 1 den höchsten Reinheitsgrad aufweist und Klasse 9 den niedrigsten. Zusätzlich informiert die Norm über wichtige Aspekte zu Planung, Betrieb und Kontrolle von Reinraumanlagen.

Die VDI-Richtlinie 2083 ist stark an die ISO 14644-1 angelehnt und beinhaltet konkrete Anforderungen an die Reinheit der Raumluft für Arbeitsplätze (Oberflächen, Maschinen, Werkzeuge) sowie Prozessmedien (Gase, Flüssigkeiten, Chemikalien) und Mitarbeiter. Zusätzlich ergänzt die VDI-Richtlinie die Norm um praktische Aspekte des Betriebs und branchenspezifische Hinweise.

Bei Dichtungen für den Einsatz in Sauerstoffanwendungen steht jedoch nicht die Minimierung von Luftverunreinigungen im Vordergrund, sondern eine Optimierung der Prozesssicherheit durch verschiedene Reinigungsverfahren und Verpackungsvorschriften. Um bei technisch hochreinem Sauerstoff eine sichere Anlagenverfügbarkeit zu gewährleisten, muss eine geschlossene Kette von der Herstellung über die Weiterverarbeitung bis hin zum Einsatz in der Anlage existieren. Die Reinraumanlage ist lediglich eine Komponente in diesem Prozess. Bei der Dichtungsfertigung ist darauf zu achten, dass entsprechend öl- und fettfreie Werkzeuge verwendet werden und auch schon hier beim Handling das Einsatzgebiet mit entsprechenden Maßnahmen berücksichtigt wird. Im Reinraum wird das Fertigteil mithilfe unterschiedlicher Verfahren, wie zum Beispiel fluoreszierender Analysen, Wasserbenetzungs- und Abwischtests, auf mögliche Verunreinigungen untersucht, entsprechend den Vorgaben für den Versand einzeln verpackt und für den Einsatz im Sauerstoffbereich deutlich gekennzeichnet.
Abschließend hat auch der Betreiber den korrekten Umgang bei der Weiterverwendung zu gewährleisten, damit eine hohe Sicherheit für den laufenden Betrieb erzielt werden kann. Hierzu zählt z.B. die Vermeidung von Verschmutzungen beim Einbau der Dichtung. Die praktische Umsetzung einer solchen Prozesskette kann durch die technische Kompetenz des Herstellers verbessert und durch die Etablierung einer entsprechenden Verfahrensanweisung auf Betreiberseite sichergestellt werden.